8. September, 18 Uhr, Schönauer Park: Tastentage

28 Jahre hat Bernd Reiher Posaunen in Häuser getragen – erst in die Musikschule, dann in die Hochschule und schließlich ins Theater. Mittlerweile ist er vom Blech zu den Saiten gewechselt, wahlweise in oder auf einem Holzkasten.

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Herr R. aus L. am Klavier: Impression vom Abschlusskonzert der Tastentage 2019 im Kolonnadengarten Leipzig-Grünau. Foto: Tastentage

Gitarren sind zwar auch schon bei den Tastentagen gesichtet worden – für den diesjährigen Klaviersommer hat Herr R. aus L. aber wieder die Klavierfinger klar gemacht. Neben einer Prise Filmmusik, einem Spritzer Jazz, Bach, Latinoklang und Satie gibt es bei den Tastentagen 2020 ganz viel von jenem Klavierpop, der seit einiger Zeit als Neoclassical die Runde macht. Und natürlich: Eigenes.

Konzert am 8. September: Tastentage-Klavierstandort 9 – Schönauer Park, Eingangsbereich Schönauer Straße, 04205 Leipzig. Folgetermin: 13. September, Kolonnadengarten.

Mannamklaviersommer 2018/1: Tastentage, Kolonnadengarten

Auch dieses Jahr waren wieder Tastentage in Leipzig-Grünau. Zehn öffentliche Klaviere mitten im Hochhausquartier. Eine wunderbare Idee. Danke an alle, die sie auf den Weg gebracht haben. Der aber ist für dieses Jahr ersteinmal zu Ende gegangen.

Leipzig-Grünau, 9. September 2018. Tastentage im Kolonnadengarten. Mann mit Kaffeetasse am Klavier. Bild: Lena

Die letzte Runde war am 9. September. Austragungsort war wieder der Kolonnadengarten. Herrlichstes Spätsommerwetter, um noch einmal eine ganze Schar von Tastentagsklavierspielern zusammen aufspielen zu lassen.

Der mit der weitesten Anreise war Christian aus Riesa. Auch die Zuhörer kamen aus nah und fern. Dabei war der Nachmittag an der Alten Salzstraße ursprünglich gar nicht im Plan. Erst der tatkräftige Einsatz einer Zuhörerin vom 10. September 2017 hatte im August dafür gesorgt, dass der Kolonnadengarten auch 2018 die Abschlussbühne wird. Bei den Tastentagen machen eben auch die Zuhörer die Musik. Und sie waren auch reichlich erschienen.

Robert, Max, Micha, Pascal und Bernd sind einige weitere Namen derer, die dabei auf der Klavierbank gewerkelt haben. Von Chopin über Filmmusik, LinkinPark und Bach bis hin zu Kabarett und Impro war fast alles dabei, was man einem hitzegeplagten Gartenklavier abverlangen kann.

Graswurzelklaviermusik im besten Sinne. Wenn die Musikstadt Leipzig sonst hauptsächlich aus Oper, Gewandhaus und Thomanern besteht – hier war sie von einer ganz anderen Seite zu erleben, einer sehr viel lebendigeren.

Kein Dresscode, kein Etepetete-Getue, keine Einlassgouvernanten und kein Naserümpfen über nicht standesgemäßes Benehmen. Dafür aber Kaffee, selbstgemachter Kuchen, ein quirliges Orga-Team und jede Menge Gespräche zwischen denen am Klavier und den Leuten davor. Und Lena hat wieder ein Bild gemalt.

15.00 Uhr war Beginn. Das Ziel, die Wiese binnen zwei Stunden leer zu spielen, war selbst bis 18.00 Uhr noch nicht erreicht. Der Spruch von der „verbindenden Kraft der Musik“ – er ist zwar mittlerweile ein Marketingopfer geworden, im Kolonnadengarten aber wurde wieder einmal deutlich, welche Bedeutung er eigentlich haben kann.

Ein Klavier, zig Nationen und Dialekte und sie alle kamen zusammen allein über die Kraft der Musik. Einfach, weil da grad ein öffentliches Klavier in der Landschaft stand.

Von solchen Klangmöbeln könnte Leipzig durchaus mehr vertragen – gerade auch in der dunklen Jahreszeit. Der Hauptbahnhof zum Beispiel wäre für Hörer und Spieler ein schönes Winterdomizil, aber diese Idee muss erst noch reifen.

Geben soll es solche Instrumente schon auf Bahnhöfen in Frankreich. Auch das Sony-Center in Berlin hatte in diesem Sommer eines auf sein Dach gestellt. Dass der Gedanke jetzt wenigstens für die Freiluftmonate nach Leipzig gekommen ist, das ist vor allem ein Verdienst der Tastentags-Organisatoren rund um Oli, Patrick und Daniel.

Ihren Winterschlaf bitten wir nicht zu stören. Denn so, wie wir diese Kollegen kennen, werkeln sie schon an den Tastentagen 2019.

Musiksalon mit unbekannt: Notenspur-Nacht der Hausmusik

Am 25. November war wieder Notenspur-Nacht der Hausmusik. Für mich die zweite überhaupt – und die zweite am Klavier. Mein Einsatzort war diesmal Stötteritz.

Das Leipziger Hausmusikfest hat immer etwas von einer Wundertüte. Die Gastgeber geben ihre gute Stube – wissen aber nur halbwegs welche Musiker oder Zuhörer zu ihnen kommen. Der Musiker wiederum bringt seine Musik, hat aber keine Ahnung, welche Gesellschaft ihn erwartet. Diese hat andererseits keinen Schimmer, welche Musik der Künstler für diesen Abend auf dem Kasten hat.

Kurz vor 19.00 Uhr sind dann alle ein wenig hippelig, ob das wirklich klappt was man da per Mail oder Telefon zusammengebastelt hat. Ab 20.30 Uhr sitzen alle mit Bierchen und Weinchen zusammen und quatschen. Ob sie über einen gelungenen Abend reden hängt wiederum damit zusammen, was der Musiker aus der Zeit zwischen 19.00 und 20.30 Uhr gemacht hat.

Manche trällern dabei Arien, andere machen eine Session. Bei mir wird auch schon zwischen der Musik viel geredet – weil hinter jedem Stück steckt auch eine Geschichte, die erzählt werden will. Ganz nebenbei schmilzt dabei auch die Kluft zwischen Künstler und Publikum allmählich vor sich hin. Nicht mehr der eine auf dem Podium und die anderen brav im Sessel, sondern alle auf Augenhöhe. Musik nicht als Kult sondern als Kitt zwischen unbekannten Menschen.

Die gemeinsame Runde danach, von ihr habe ich diesmal nicht viel erlebt, weil ich am Abend vorher lernen durfte, was eine Muskelzerrung ist. Aber dieser Anarcho-Charakter der Notenspur-Nacht der Hausmusik – er hatte auch so an diesem 25. November wieder seinen Reiz. Wenn der Ruf kommt – ich bin auch nächstes Jahr wieder mit dabei.