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Hinter jedem Busch ein Musikant – so scheint sie zu lauten, die Devise, in diesem Frühsommer im Leipziger Clara-Zetkin-Park. Für mich das Schönste daran: Meine mobile Stromklaviereinheit und ich – wir sind endlich ein Teil davon geworden. Nach langem Werkeln und Zaudern haben auch wir Mitte Juni begonnen, mit Sack und Pack loszuziehen, um zu sehen, was von den Übkammerkünsten übrig bleibt, wenn der Posaune-Klavier-Umschüler Reiher sich per Digital-Piano an die Echtwelt herantastet.

Sackkarre, Autobatterie,

Sackkarre, Autobatterie, große schwarze Kiste: Eine Ladung, die durchaus das Gefühl geben kann, dass sich gerade zur Komplettfeile macht, wer damit durch den Clara-Park zieht. Aber, der Weg ist das Ziel: Parkmusik macht locker und bringt mitunter überraschende Kontakte. Foto: Bernd Reiher

Viermal sind wir bisher aufgebrochen – zu meiner Überraschung war es erstaunlich viel, was mein Kopf und meine Hände vom Stimmzimmer auf die Straße bringen konnten – selbst dann noch, als ihren Klangwolken erste Menschengruppen folgten. Die einen befriedigten ihre Neugier mit einem Blick durch die Büsche, andere ließen sich für Minuten auf Bänken nieder, manche packten ihre Decke aus und freuten sich über einen Soundtrack für ihr Picknick. Und, naja: natürlich blieb auch die unvermeidliche Fraktion der Gröhler und Huper nicht ungerührt.

Straßenmusik ist eben ein hartes Pflaster, das wussten mir ob dieses Vorhabens auch schon Teile des Volksmundes zu berichten. Jetzt allerdings, wo ich der Sache auf eigenen Füßen näher gekommen bin, habe ich auch gelernt: So hart ist dieses Metier eigentlich gar nicht – wenn überhaupt, dann ist es eher gnadenlos ehrlich.

Wer solcherlei Klangzeug nicht mag, kommt erst gar nicht, zieht gleich weiter, gröhlt, johlt oder hupt. Halbgares Musizieren wiederum wird in jedem Fall mit schnellem Hörerschwund bestraft. Wem es aber gefällt, der oder die rückt näher, bleibt ein Weilchen, ist angetan und kommt mitunter sogar mit dem Musikanten ins Gespräch. Das wiederum ist noch nicht tausendfach geschehen, aber allein, dass ich wieder gesehen habe, wie wunderbar solche Begegnungen sein können, macht die Parkmusik zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Denn: Neu ist mir dieses Phänomen nicht – ich kenne es aus 25 Lebensjahren mit der Posaune. Im Unterschied zu damals bin ich heute aber nicht mehr auf Kollegen angewiesen. Mein mobiles Stromklavier und ich – wir ziehen los, wann immer wir das wollen. Ob gut oder böse, alles geschieht unter eigener Flagge. Mal gibt es Gehupe, mal Beifall. Manchmal kommen Mücken, manchmal Muggen-Anfragen. Mitunter wird eine Demo-CD verkauft, durchaus wird aber auch gegröhlt. Immer jedoch hat Parkmusik diesen einen entscheidenden Vorteil: Sie bringt Bühnenfestigkeit für die Muggen von morgen und meistens ein nettes Gespräch.

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