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Logbuch-Eintrag 12. Juni 2013: Bach, Ave Maria, Gounod, Klavier und Google

Im Januar war es, dass ich nach über einem Jahr meine Wochenend-Stelle als Tellerwäscher hingeschmissen habe. Seitdem hatte sich die Jobsuchmaschine wieder auf Hochtouren gedreht. Gestoßen bin ich dabei unter anderem auf solch fortschrittliche Tätigkeiten wie „Texter für Ratgeberseiten“. Zwei Artikel waren dabei entstanden.

Einer hat mich eine Stunde Arbeit gekostet und 2,71 Euro eingebracht. Ein anderer sollte mit 10,00 Euro vergütet werden – weil es dem Auftraggeber aber mehr um Suchmaschineneignung als um Inhalte ging und er innerhalb von zwei Wochen gleich dreimal um Nachbearbeitung wegen Formatfragen bat, habe ich mich dort noch vor der Endabgabe wieder abgemeldet. Dennoch habe ich in den zwei Stunden, die ich eigentlich an diesem Ratgeberbeitrag gearbeitet hatte, viel gelernt. Denn das Thema hieß: Johann Sebastian Bach, Präludium C-Dur.


Der Auftrag dabei war: Schreiben Sie einen Ratgebertext zu „Bach/Ave Maria“. Hintergrund: Dieser Auftraggeber guckt, was bei Google gesucht wird, nimmt sich die populärsten Suchbegriffe, lässt Texte dazu schreiben und versucht genau damit diese Suchenden auf seine Seiten zu ziehen.

Weil ich das Modell interssant fand, habe ich ähnliches gleich für den Seenticker-Blog ausprobiert. Beim Stichwort „Neuseenland“ wird bei Google derzeit „Camping“ als zweithäufigster Suchbegriff in der Vorschau angezeigt. Also habe ich einen Beitrag zum Thema „Neuseenland Camping“ geschrieben. Drei Tage war er online und schwupps bei den Suchergebnissen auf Seite eins.

Eigentlich schrecklich, festzustellen, wie leicht der Frageautomat des Vertrauens zu manipulieren ist – und faszinierend zugleich. Was ich aus dieser Episode aber noch mitgenommen habe? Einige Randnotizen zum Thema „Bach/Ave Maria“, die ich im Fach Musikgeschichte scheinbar verpasst hatte: Eigentlicher Urheber des „Ave Maria“ ist Charles Gounod. Von ihm wiederum stammt nur die Melodie. Die harmonische Basis dafür: die gebrochenen Akkordfolgen des Präludium C-Dur von Johann Sebastian Bach. Der alte Franzmann hat scheinbar schlicht die alte Vorlage genommen und darüber improvisiert. Dabei entstanden: eines der bis heute populärsten Stücke Musikgeschichte.

Meine Schlussfolgerung: Wenn es erst der Zufall will, dass ich auf diese große Nummer des Thomaskantors aus meiner Heimatstadt aufmerksam werde, dann hat sie es auch verdient, an meiner Klaviatur einstudiert zu werden. Hier eine erste Rohversion – auch diesmal ungeschnitten und am Stück eingespielt. Auf der Bildspur: Nachtimpressionen der wunderbaren Hoch- und Off-Kulturstadt Leipzig.