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Logbuch-Eintrag, 7. März 2013: Gewandhaus und Einaudi-Mail

Bernd Reiher hat Ludovico Einaudi eine E-Mail geschrieben. Betreff: Genehmigung zum Einspielen einiger seiner Stücke für YouTube. Anlass: Immer noch die Sache mit den Demos im Netz.

Gewandhaus Leipzig, Großer Saal, 3. März 2013: Effektreich Einaudi. Foto: Bernd Reiher

Gewandhaus Leipzig, Großer Saal, 3. März 2013: Effektreich Einaudi. Foto: Bernd Reiher

Eigentlich war das Vorhaben YT wegen ungeklärter Gema-Fragen zu den Akten gelegt – ich hatte aber zwischenzeitlich im Medienmagazin von Radio eins ein Interview mit einem Gema-Mann gehört. Es ging um die gesperrten Meteoriten-Filme mit Autoradio-Klängen im Hintergrund. Seine Aussage: Im Falle von YT sieht die Anstalt den Plattformbetreiber als Gema-Verantwortlichen und nicht den Einsteller. Man müsse aber den Urheber um Genehmigung bitten, dessen Werke zu vervielfältigen. Gesagt, getan. Geantwortet hat der Klaviermusikmeister mir bis heute aber nicht.

Ein möglicher Hintergrund: Einaudi ist momentan auf Tour. Am 3. März hat sie ihn ins Leipziger Gewandhaus geführt. Trotz dass er noch nicht zurückgeschrieben hat, war auch ich an diesem Abend Teil seines Publikums – die Karten lagen neun Wochen zuvor auf dem Gabentisch.

Begeistert war ich dennoch nur in weiten Teilen. Größtes Manko: Dieser Mann schreibt wunderbare Musik für Klavier und Streicher – warum er sie trotz der einzigartigen Akustik im großen Saal von der Verstärkeranlage befeuern ließ, bleibt ein Rätsel. Dass er zudem noch auf kitschige Lichteffekte nicht verzichten konnte, war letztlich doch ein Schluck aus der Show-Pulle zuviel.

Schade, denn solche zirzensischen Zusatzleistungen lenken ab von der eigentlich sich selbst tragenden Musik. Momentan ist Einaudi halt ein Superstar – als solcher muss man scheinbar auch für ein Massenpublikum produzieren. Die Urform seiner Stücke ist mir jedoch lieber. Ich warte auf sein Tour-Ende – vielleicht kommt dann die ersehnte Mail: „Dear Bernd from Leipzig, using my music for your piano-demo at youtube? No problem, please do it.“ Oder so.

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