Zurück zur Musik: Von der Wiedererfindung des tellerwaschenden Ex-Posaunisten Bernd Reiher am Klavier

Bernd Reiher hat schon viele Jobs gemacht. Seit 2008 ist er unter anderem als Tellerwäscher, Netzreporter, Haushälter und Telefonist unterwegs. Davor aber brachte er zwischen 2001 und 2005 als Programmmacher, Organisator und Presse-Mann den Veranstaltungsbetrieb im UT Connewitz zum Laufen, um danach bis 2007 an den Reglern von Radio blau zu drehen.

Von der Posaune über das UT Connewitz, Radio blau, die L-IZ und die Spüle zum Klavier: Bernd Reiher

Ursprünglich jedoch hat er an der Leipziger Musikhochschule Posaune mit Nebenfach Klavier studiert und danach zehn Jahre unter anderem in den Theaterorchestern von Altenburg, Gera, Halle, Wittenberg und der „MuKo“ gespielt. Auch war er als Blechbläser von 1993 und 2007 bundesweit mit dem Posaunenquartett „á la quarte“ zu erleben und hat mit dieser Formation den bei Blechbläsern begehrten Titel „Jan-Koetsier-Preisträger“ nach Leipzig geholt.

Die Posaune, sie sollte lange nicht nur berufliches Schicksal sondern auch Erwerbseisen des Bernd Reiher sein. Am 24. Dezember 2007 jedoch griff er in seiner Wohnung mit einem breiten Grinsen unter der Nase zum Hammer – es war die Stunde, in der er seine Zug-Maschine an den Nagel hing. Die Entscheidung dafür fiel kurz zuvor während einer Heilig-Abend-Mugge in der Nikolaikirche: Nie wieder Posaune in Gottes Dienst. Abschied vom Blechbläser-Kombinat. Lieber Hilfsarbeiten, als die dennoch nötige Hartz-IV-Gängelei.

Fortan im Job-Millieu unterwegs, waren die ersten 48 Monate dieser neuen Laufbahn jedoch von einem diffusen Grummeln in der Magengegend begleitet. Quelle? Lange unklar. Erst im Sommer 2011 sollte sich herausstellen, dass für dieses Pochen seine musikalischen Wurzeln verantwortlich waren. Seit diesem Kopfstoß war er in freien Stunden wieder täglich im Musikzimmer zu finden – allerdings nicht mehr mit den Lippen am Mundstück, sondern Leib und Seele am Klavier.

In den darauf folgenden zwölf Üb-Monaten entstanden: ein rund einstündiges Programm mit Filmmusik für 88 Tasten. Arbeitstitel: „Musica Obscura“. Darin enthalten: Kompositionen von Yann Tiersen, Yiruma, Henry Mancini, Ennio Morricone, Charles Chaplin oder Ludovico Einaudi – aus Produktionen wie „Fabelhafte Welt der Amelie“, „Twilight“, „Cinema Paradiso“, „Limelight“ und anderen.

Dieses Klangpaket wiederum zeigte im September 2012 erste Allüren, auch außerhalb des Studierzimmers gehört zu werden. Die Folge im Herbst: Erstmals seit fünf Jahren war Posaunist a.D. Bernd Reiher wieder als Musikant zu erleben – bei ersten Test-Auftritten am Klavier. Der Applaus bei den Feuertaufen am Hammerwerk wies schließlich die Richtung für eine weitere Kurskorrektur in seinen Reiseplänen. Zielgebiet diesmal: Neuanflug der Musikantenlaufbahn – nunmehr parallel zur Jobberei.

Seit November 2012 ist dieser Wiedereintritt in vollem Gange und dabei mit solchen Stationen wie Demo-Produktion, Unterricht, Vorspiel, Artwork-Erstellung und Kontaktknüpferei verbunden. Vom Gelingen und Scheitern der einzelnen Etappen soll per Netz-Logbuch erzählt werden. Adresse: berndreiher.wordpress.com. Fortsetzung? In Arbeit.