Frischluft für Körper und Geist: Singen mit Senioren

Schlagwörter

, , , ,

Singen und musizieren sind gerade in der Pflegeeinrchtung von besonderer Bedeutung. Mit Liedern von früher kommen Erinnerungen zurück, werden Lebensgeister neu geweckt. Gemeinsamer Gesang bringt Lebensfreude in die Gruppe und stärkt das soziale Miteinander.
...

Den letzten Abschnitt gut gestalten: Gemeinsames Singen von altbekannten Liedern kann gerade in der Pflege ein Quell für Lebensfreude sein. Foto: Luzie Schulz/Bernd Reiher

Singen ist dabei eine Therapieform, bei der gleich drei Ebenen angesprochen werden: Atmung und Muskulatur werden aktiviert, Gedächtnisleistung wird abgerufen.

Bernd Reiher ist zertifizierte Betreuungskraft nach §53c SGB und bietet „Singen mit Senioren“ seit 2018 an. Zunächst begleitete er am Klavier, mittlerweile baut er auf die Vorzüge der sehr viel mobileren Gitarre.

Sein musikalischer Werdegang begann als Posaunist an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Zwölf Jahre war er mit dem Posaunenquartett á la quarte unterwegs. Stationen als Orchestermusiker waren unter anderem die Musikalische Komödie Leipzig, die Opernhäuser Halle und Chemitz, die Theater Altenburg, Freiberg, Wittenberg und Gera sowie die Brandenburger Symphoniker und das Rundfunkblasorchester Leipzig.

Das Repertoire beim Seniorensingen besteht aus Volksliedern, Schlagern und Altberliner Weisen. Wunschlieder und bekannte Stücke stehen im Vordergrund – um auswendig singen zu können und nicht an Textmappen zu kleben.

Die gemeinsamen Singstunden finden regelmäßig statt – wöchentlich oder mehrmals pro Monat. Mitsingen, summen, mitschunkeln oder einfach nur zuhören – alles ist erlaubt. Ob in der Gruppe oder als Einzelbetreuung beim Lieger am Bett.

Üblicherweise sucht Bernd Reiher sich seine Singgruppen selber und bleibt dann da, wo es passt. Interessenten können sich aber auch gerne melden. Mail an mannamklavier(at)gmx.de genügt.

Mann am Klavier: Alltagsbegleiter Gitarre

Schlagwörter

, , , , ,

Seit Herbst 2018 steht ein neuer Abschnitt in meinem Lebenslauf: Am 20. November habe ich mein Zertifikat als Alltagsbegleiter/Betreuungskraft bekommen.

Den Saiten treu geblieben – zusätzlich neu ist die Art, mit ihnen zu spielen. Foto: Mann am Klavier/Bernd Reiher/Luzie Schulz.

Die zugehörige Schulung hat mich in einige Heime geführt. Meine wichtigste Erfahrung dabei: Musik ist eine wunderbare Therapieform. Nicht nur zur Beschäftigung. Gerade gemeinsames Volksliedersingen bringt gleich drei Dinge auf Trab: Atmung, Gedächtnis und Muskulatur.

Die zweite Erfahrung: Das Klavier ist immer da, wo man es gerade am wenigsten braucht. Also habe ich in meine Zauberkiste gegriffen und meine E-Bass-Kenntnisse hervorgekramt. Denn wenn es für diesen neuen Abschnitt ein geeigneteres Instrument gibt als das Klavier, dann ist es die Gitarre.

C-Dur, G-Dur, D-Dur, F-Dur. a-Moll, e-Moll, h-Moll, d-Moll. So heißen die Akkorde, die ich seit Weihnachten auf der Klampfe übe. Rauf und runter. Kreuz und quer. Denn das sind die acht Akkorde, aus denen die meisten Volkslieder und Schlager bestehen. Solche Liedchen mitsingen zu können, zaubert den Leuten ein Lächeln ins Gesicht. Weil sie sie kennen und solche Musik Jugenderinnerungen weckt.

Eine Win-win-win-Situation: Betreuung mit Glücksmomenten, eine Arbeit mit Musik für mich und ich habe endlich die Grundzüge der Gitarre kapiert.

Nachtrag: Seit Anfang Februar setze ich mit der aktuellen Wohngruppe noch einen drauf: Wir schreiben/komponieren ein eigenes Heimlied. Der Text kommt natürlich nicht von mir, sondern von den Bewohnern.

Mannamklaviersommer 2018/2: Heimmusik

Schlagwörter

, ,

Meine Idee mit den Heimmusiken war eigentlich schon zu den Akten gelegt. Allerdings hatte ich nur in Leipzig gesucht. Durch Zufall bin ich in diesem Sommer an eine Einrichtung im Brandenburgischen geraten. Hier hat sie voll funktioniert: erst offene Ohren, dann glückliche Gesichter. Foto: Bernd Reiher

Mannamklaviersommer 2018/1: Tastentage, Kolonnadengarten

Schlagwörter

, , , , ,

Auch dieses Jahr waren wieder Tastentage in Leipzig-Grünau. Zehn öffentliche Klaviere mitten im Hochhausquartier. Eine wunderbare Idee. Danke an alle, die sie auf den Weg gebracht haben. Der aber ist für dieses Jahr ersteinmal zu Ende gegangen.

Leipzig-Grünau, 9. September 2018. Tastentage im Kolonnadengarten. Mann mit Kaffeetasse am Klavier. Bild: Lena

Die letzte Runde war am 9. September. Austragungsort war wieder der Kolonnadengarten. Herrlichstes Spätsommerwetter, um noch einmal eine ganze Schar von Tastentagsklavierspielern zusammen aufspielen zu lassen.

Der mit der weitesten Anreise war Christian aus Riesa. Auch die Zuhörer kamen aus nah und fern. Dabei war der Nachmittag an der Alten Salzstraße ursprünglich gar nicht im Plan. Erst der tatkräftige Einsatz einer Zuhörerin vom 10. September 2017 hatte im August dafür gesorgt, dass der Kolonnadengarten auch 2018 die Abschlussbühne wird. Bei den Tastentagen machen eben auch die Zuhörer die Musik. Und sie waren auch reichlich erschienen.

Robert, Max, Micha, Pascal und Bernd sind einige weitere Namen derer, die dabei auf der Klavierbank gewerkelt haben. Von Chopin über Filmmusik, LinkinPark und Bach bis hin zu Kabarett und Impro war fast alles dabei, was man einem hitzegeplagten Gartenklavier abverlangen kann.

Graswurzelklaviermusik im besten Sinne. Wenn die Musikstadt Leipzig sonst hauptsächlich aus Oper, Gewandhaus und Thomanern besteht – hier war sie von einer ganz anderen Seite zu erleben, einer sehr viel lebendigeren.

Kein Dresscode, kein Etepetete-Getue, keine Einlassgouvernanten und kein Naserümpfen über nicht standesgemäßes Benehmen. Dafür aber Kaffee, selbstgemachter Kuchen, ein quirliges Orga-Team und jede Menge Gespräche zwischen denen am Klavier und den Leuten davor. Und Lena hat wieder ein Bild gemalt.

15.00 Uhr war Beginn. Das Ziel, die Wiese binnen zwei Stunden leer zu spielen, war selbst bis 18.00 Uhr noch nicht erreicht. Der Spruch von der „verbindenden Kraft der Musik“ – er ist zwar mittlerweile ein Marketingopfer geworden, im Kolonnadengarten aber wurde wieder einmal deutlich, welche Bedeutung er eigentlich haben kann.

Ein Klavier, zig Nationen und Dialekte und sie alle kamen zusammen allein über die Kraft der Musik. Einfach, weil da grad ein öffentliches Klavier in der Landschaft stand.

Von solchen Klangmöbeln könnte Leipzig durchaus mehr vertragen – gerade auch in der dunklen Jahreszeit. Der Hauptbahnhof zum Beispiel wäre für Hörer und Spieler ein schönes Winterdomizil, aber diese Idee muss erst noch reifen.

Geben soll es solche Instrumente schon auf Bahnhöfen in Frankreich. Auch das Sony-Center in Berlin hatte in diesem Sommer eines auf sein Dach gestellt. Dass der Gedanke jetzt wenigstens für die Freiluftmonate nach Leipzig gekommen ist, das ist vor allem ein Verdienst der Tastentags-Organisatoren rund um Oli, Patrick und Daniel.

Ihren Winterschlaf bitten wir nicht zu stören. Denn so, wie wir diese Kollegen kennen, werkeln sie schon an den Tastentagen 2019.